Universalfräsmaschine Aciera F3

Die Aciera F3 ist eine präzise, kompakte und sehr vielseitige Universalfräsmaschine. Es war eine Vielzahl von Zubehör, wie Schnelllaufkopf, Stosskopf, verschiedenste Tische und Teilapparate, erhältlich. Der Spindelantrieb und der automatische Vorschub in der X-Achse besitzen je acht Geschwindigkeiten.
Ein spezielles und sehr praktisches Detail der F3 ist die Schnellverstellung der X-Achse mit dem frontseitigen zweiarmigen Hebel. Damit kann die X-Achse mit 12mm/U verstellt werden, drückt man den Hebel nach hinten läuft der Tisch mit Vorschub.
Die Spindelaufnahmen sind, etwas unüblich für eine Fräsmaschine, mit einer Schaublin W20 Aufnahme ausgestattet. Damit passt die Maschine aber hervorragend zu Schaublin und Habegger Drehmaschinen vom Typ 102.
Aciera F3

Technische Daten:

Vorhandenes Zubehör

Beschreibung Aciera Nr. Bemerkungen
Prismatischer Gegenhalter 301  
Vertikalfräskopf 302  
Schnelllaufender Vertikalfräskopf 303 Version mit 1000 / 2000 / 3000 U/min
Stossapparat 304  
Dreibackenfutter 313a 110mm
Winkeltisch 330  
Kipptisch 331  
Einfacher Drehwinkel 332  
Drehwinkel mit Schneckenantrieb 333  
Drehbarer Schraubstock 334  
Einfacher Teilapparat 341  
Reitstock zu Teilapparat 342  
Universal Teilapparat 343  
Rundtisch 345  
Original Werkzeug Schrank 348  
Koordinaten-Fräseinrichtung 350 zum Stempel fräsen
Zentriermikroskop "Marcel Aubert SA" 351  
Ausdrehkopf Rawyler 352  
Bohrapparat 353  
Zwischensohle 354  
Automatischer Antrieb 362 zum Sprialfräsen
Plan- und Ausdrehkopf Lenz LPA 2   W20 Aufnahme
Spannzangenfutter ER32 "Regofix"   W20 Aufnahme
Div. Dorne und Spannzangen    


Aciera F3 Werkzeugschrank

Revision- und Reparaturarbeiten

Aufgrund von Verschleiss habe ich einge Teile ersetzt. Da die meisten Ersatzteile nicht mehr erhältlich oder aber sehr teuer sind, habe ich diese selber hergestellt.
Falls jemand Informationen für bestimmte Ersatzteile benötigt, kann er mich kontaktieren, ich habe von einigen Teilen Zeichnungen angefertigt und kann Tipps zum selber herstellen geben.

Anfertigung neue Mutter X-Achse

Per Zufall kam ich an eine fast neue Vorschubspindel für die X-Achse. Da die Maschine bereits einiges Umkehrspiel hat, nutzte ich die Gelegenheit um die Achse zu revidieren und fertigte eine neue Mutter an:
Rohmaterial Rg7 exzentrisch spannen Vordrehen der Aussenkontur Kernlochbohrung drehen Trapezgewinde schneiden Passung aussen fertig drehen Radiusnut für Schmierung einstechen Fertiger Mutterrohling Befestigungsflansch sauber fräsen Befestigungslöcher bohren, senken Schmiernuten fräsen Schmiernuten Aussparung fräsen Fertige X-Mutter

Revision Elektrische Steuerung

Die elektrische Ausrüstung war, wie oft bei älteren Maschinen, nicht mehr in gutem Zustand. Zudem fehlte an der Maschine die Steckdose für den Schnellaufkopf. Auch die Maschinenleuchte musste separat eingesteckt werden, sonst löste der FI aus. So habe ich eine neue Elektrik eingebaut, inkl Hauptschalter, Steckdose für den Schnellaufkopf und fest angeschlossener Maschinenleuchte. Im gleichen Zug wurde auch der Motor gereinigt und mit neuen Lagern versehen.
Motor vorher Motor nachher Steuerung vorher Steuerung nachher

Winkeltisch Bearbeitungsfehler beheben

Nach dem ich endlich einen neuwertigen Universalteilapparat für die F3 kaufen konnte, musste ich mit erschrecken feststellen, dass die Nuten im Winkeltisch ab Werk falsch gefräst worden waren. Der Teilapparat konnte nicht in die T-Nuten eingefahren werden, da der untere, breitere Teil der Nute um einen halben Millimeter zum schmalen Teil versetzt war.
Zwar hätte man den Teillaparat anpassen können, so dass er auf den Tisch gepasst hätte, aber es hätte mit jedem weiteren Zubehör die gleichen Probleme gegeben. So konnte ich mit Unterstützung eines Kollegen den Tisch auf einer grossen Reiden Fräsmaschine nachfräsen.
Der Tisch ist auf der Reiden Maschine aufgespannt Nachfräsen der Nuten

Nachfertigung eines Drehwinkel Oberteils

Vor einiger Zeit konnte ich unvollständigen einfachen Drehwinkel kaufen. Es war nur noch das untere Gussteil vorhanden.
Mein Ziel war es die fehlenden Teile nachzbauen, so dass sich der Drehwinkel nicht mehr von einem Orginal unterscheiden lässt. Die T-Nute ist auf die Aciera übliche Toleranz 10J6 gefräst. Die Aussenflächen habe ich in einem Betrieb sauber schleifen lassen. Als Exzenterbolzen habe 12.9 Inbuschrauben verwendet.
Falls jemand Zeichnungen braucht kann er sich gerne melden.
Rohmaterial Grauguss GG25 aufsägen T-Nute vorfräsen T-Nute fräsen Aussenflächen schlichtfräsen Aussenflächen schlichtfräsen Aussenflächen schlichtfräsen Eckenradien fräsen Bohrungen für Exzenterbolzen einbringen Bohrungen für Klemmung und Lagerung herstellen Aussparung für Nullpunkt fräsen Nullpunkt ritzen Neue Teile für die Klemmung Oberteil Flachgeschliffen Drehwinkel fertig zur Anprobe Drehwinkel mit Teilapparat Drehwinkel mit Teilapparat - Detailansicht

Revision Schnelllaufkopf

Zu meiner Aciera besitze zusätzliche einen schnelllaufenden Vertikalfräskopf. Dieser ist ganz praktisch bei feinen Bohr- und Fräsarbeiten, durch den Riemenantrieb läuft er zudem sehr leise. Dank der Pinole kann auch einfach gebohrt werden. Bemerkenswerterweise hat mein Schnelllaufkopf nur einen Drehzahlbereich 1000 / 2000 / 3000 U/min, anstelle der üblichen 2000 / 4000 / 6000 U/min.
Aciera F3 mit Schnelllaufkopf
Leider wurde der Schnelllaufkopf mal unsachgemäss "revidiert" und viele Teile beschädigt. In der Folge habe ich einige Teile nachgefertigt um wieder einen neuwertigen Zustand zu erreichen.

Riemenscheiben

Beide Riemenscheiben waren mit einem Abzieher verbogen worden, so dass der Riemen laut und unruhig lief. Zudem waren die Rillenabstände bereits ab Werk ungenau gefertigt und der Riemen lief immer etwas schräg.
Spindelseitige Riemenscheibe mit Doppelnute Spindelseitige Riemenscheibe mit Doppelnute Motorseitige Riemenscheibe Motorseitige Riemenscheibe

Hohlwelle und diverse Kleinteile

Die Hohlwelle trägt die spindelseitige Riemenscheibe und läuft in zwei Kugellagern. Diese überträgt das Drehmoment mit zwei Mitnehmern auf die Spindel. Auch diese Welle hatte einen "Knacks" aufgrund unsachgemässer Demontage. Besondere Herausforderung bei der Herstellung war der exakte Rundlauf zwischen Führungsbohrung der Spindel und dem Aussendurchmesser. Auch die beiden Nuten mussten sehr exakt gefräst werden, damit die beiden Mitnehmer mit ganz wenig Übermass in die Riemenscheibe passten.
Da sämtliche Muttern entweder mit der Rohrzange oder mit Durchschlag und Hammer malträtiert wurden, habe ich auch diese nachgefertigt. Dies zwar mehr aus optischen wie aus technische Gründen. Als Material habe ich bei allen Teilen den Stahl "ETG 100" verwendet, dies ist ein hochfester Automatenstahl welcher trotz der hohen Festigkeit gut zu bearbeiten ist.
Andrehen der Zentrierung in der festen Lünette Fräsen der Nuten für die Spindelblockierung Fräsen der Nuten für die Mitnehmer (Toleranz H7) Fertige Hohlwelle (Aussendurchmesser geschliffen) Klemmbare Mutter mit Messingeinsatz Mitnehmer (Dicke geschliffen) Stellring für Bohrtiefenbegrenzung

Verbesserung Hohlwellenlagerung

Bereits im ursprünglichen Zustand bemerkte ich, dass die Lagerung der Hohlwelle nicht optimal ist, da die beiden Kugellager axial zu wenig genau geführt sind. Durch den Riemenzug kippt die Welle leicht und es kommt zu einem unruhigen Lauf der Riemenscheibe. Dies ergibt wiederum eine seitliche Belastung auf die (dünne) Spindelwelle.
Mein Ziel war es, die Lagerung zu verbessern ohne die Maschine unwiderbringlich zu verändern. Dabei habe ich eine Lösung angewandt, wie sie Aciera auch bei den Bohrmaschinen Typ 10 und 13 eingesetzt hat:
Die beiden äusseren Lagerringe werden durch eine Wellfeder elastisch mit ca. 300N axial vorgespannt. Dies ergibt eine stabile und laufruhige Lagerung.
Die einzige Modifikation war das kürzen der äusseren Distanzbuchse um 1.75mm, um Platz für die Feder zu gewinnen. Um für einen allfälligen Rückbau gerüstet zu sein, habe ich einen Satz Reserve Distanzbuchsen hergestellt.
Hohlwelle bereit zur Montage Neu, die eingebaute Wellfeder um die Lager vorzuspannen

Typenhistorie

Ich habe versucht eine Typenhistorie über die Universalfräsmaschine Aciera F3 zu erstellen. Ich habe alle möglichen Informationen aus Betriebsanleitungen, technischer Literatur und Maschinen die ich kenne, zusammengefasst. Natürlich besteht kein Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.
Für weitere Informationen bin ich dankbar! Bitte einfach ein kurzes Mail schicken.

pdf LogoAciera F3 Typenhistorie